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Kaufrausch auf taiwanisch PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 27. Oktober 2011 um 05:18 Uhr

Nach unserer Ankunft am Freitagabend hatten wir am Wochenende Zeit, die Stadt ein wenig zu erkunden. So führte uns unser erster Ausflug zum berühmten Gebäude Taipeh 101, das im Stadtbild eine unglaubliche Präsenz hat, weil es alle anderen Häuser um ein Vielfaches überragt.

Benannt ist das 2004 fertiggestellte Gebäude nach seinen 101 Stockwerken, wobei es weitere 5 unterirdische Etagen beherbergt. Bis 2007 war es mit 508 Metern (ohne Masten und Antennen) das höchste Gebäude der Welt, heute hält der Burj Khalifa in Dubai diesen Rekord (828 m). Von unserem Apartement aus ist das 101 bequem zu Fuß zu erreichen. Und ganz gleich, ob man es von Weitem sieht oder direkt davor steht: Es ist ein beeindruckendes Bauwerk (auf das jeweilige Foto klicken, um es zu vergößern).

Taipeh 101Taipeh 101 aus der Froschperspektive

In den unteren Etagen des Gebäudes gibt es eine Shopping Mall, die zumindest in Bezug auf ihre Größe alles, was ich bisher an Shopping Malls kannte, in den Schatten stellt. (Für die Berliner: Stell dir ein vier Mal so großes Alexa vor, bloß schicker.) Fünf extrem weitläufige Etagen mit Shops sämtlicher Designermarken dieser Welt warten auf finanzkräftige Besucher. In der untersten Etage befindet sich der "Food Court", in dem es angesichts des überbordenden internationalen Angebots schwerfällt, sich für ein Essen zu entscheiden. Die Preise im 101 Food Court sind etwa mit deutschen Café- oder Schnellrestaurantpreisen zu vergleichen und liegen damit etwas über dem sonstigen Durchschnitt in Taipeh. Markenkleidung ist in Taipeh übrigens genauso teuer wie in Deutschland (oder sogar etwas teurer). Auf Schnäppchen wie in Thailand oder anderen asiatischen Ländern hofft man hier vergebens.

Noch interessanter als die überdimensionale Shopping Mall war es für uns, durch kleinere Gassen mit Straßenhändlern zu flanieren. Dort gibt es zahlreiche Straßenstände, an denen allerhand Dinge verkauft werden (vor allem Lebensmittel), die wir noch nie gesehen hatten. Die offenen Straßenrestaurants faszinieren mich besonders, zum einen, weil so etwas in Deutschland aus Hygienegründen ganz und gar undenkbar wäre. Zum anderen, weil es häufig totale Gerümpelbuden sind, in denen neben den zerbeulten Kochtöpfen Kinderspielzeug oder Werkzeug herumliegt und die Wäsche der Besitzer zum Trocknen aufgehängt wird.

Zwischen schick und schrebbelig gibt es außerdem noch die ganze Bandbreite an Einkaufsstraßen – von der Neuköllner Hermannstraße über die Steglitzer Schlossstraße bis hin zu Gegenden mit kleinen, feinen Boutiquen wie in Charlottenburg. Wo auch immer man sich hier in Taipeh bewegt: An Konsum kommt man nicht vorbei. Läden über Läden, ein Café nach dem anderen und Restaurants in Hülle und Fülle. Gefühlt gibt es hier dreimal so viele Geschäfte wie in Berlin und mehr Hermès- und Chanel-Filialen als in Paris. Ich frage mich, wer all diese Dinge kauft, zumal die Menschen hier eher weniger verdienen als in Deutschland oder Frankreich.

Für die jungen Menschen ist vor allem der Sonntag Shoppingtag. Wer unter 20 ist und etwas auf sich hält, fährt sonntags nach Ximending – das angesagteste Jugendviertel von Taipeh. Dort drängt man sich dann in kleinen Gruppen durch die Massen und shoppt, bis die Kreditkarte glüht. Zwischendurch erholen die jungen Menschen sich anscheinend bei einem Kaffee bei Starbucks. Als wir dort vorbeikamen, reichte die Schlange bis auf die Straße. Um die Wartenden bei Laune zu halten, wurden ihnen von den Angestellten schon mal kleine Kuchenhäppchen und ein Schlückchen Tee oder Kaffee gereicht. Auch wenn ich in diesem Leben kein Starbucks Fan mehr werde, hat mich dieser Service doch beeindruckt.

Junge Taiwaner beim Sonntagsshopping in XimendingSchlange vor dem Starbucks Café

 
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