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Kö i bang uo min xiao chiang ma? PDF Drucken E-Mail
Freitag, 18. November 2011 um 05:29 Uhr

Man bekommt in einem fremden Land ja bekanntlich mehr mit, wenn man die Sprache versteht. Deshalb hatte ich mir zu Beginn unseres Aufenthalts zum Ziel gesetzt, mir wenigstens ein paar Grundkenntnisse in Chinesisch bzw. Mandarin anzueignen. Freundlicherweise haben sich zwei Mitarbeiterinnen von Nora bereiterklärt, mich dabei zu unterstützen.

Einmal pro Woche treffe ich Renée und Gina nach der Arbeit und notiere mir fleißig Vokabeln. Bitte – Danke – Guten Morgen – Guten Tag – Gute Nacht – Entschuldigung und einige weitere Wörter zählen inzwischen schon zu meinem Repertoire. Schwieriger wird es allerdings bei ganzen Sätzen, vor allem, wenn sie mehr als drei Wörter enthalten. Dabei besteht die Herausforderung weniger darin, sich die Vokabeln zu merken, als vielmehr darin, die Aussprache einigermaßen flüssig zu meistern. So gibt es zwischen Silben wie tschi, schi, zi, dji oder xi gewaltige Bedeutungsunterschiede und auch die Betonung jeder einzelnen Silbe kann je nach Wort oder Kontext variieren. Gleichzeitig sprechen die Leute dasselbe Wort manchmal unterschiedlich aus, was die Sache nicht gerade einfacher macht.

Immerhin habe ich schon ein paar wichtige Fragen gelernt, zum Beispiel: Wie geht es dir? Was kostet das? und Wo fährt der Bus 277? Aufgeschmissen ist man bloß, wenn man die Antwort dann nicht versteht ... Ich habe mir auch aufgeschrieben, was "Wie spät ist es?" heißt. Allerdings wurde ich von Renée darüber aufgeklärt, dass man diese Frage nicht zu lernen braucht. Schließlich hat doch heutzutage jeder ein Handy dabei und kann einfach nachschauen, wie spät es ist.

Als besonders hilfeich hat es sich erwiesen, die Zahlen zu lernen. Denn so kommt man nicht nur mit Preisangaben und Uhrzeiten schnell zurecht, sondern auch mit Wochentagen und Monaten. Die Monate heißen nämlich einfach Monat 1, Monat 2, Monat 3 usw. Die Wochentage heißen Woche 1, Woche 2, Woche 3 usw. Nur der Sonntag hat einen eigenen Namen.

Meine Lehrerinnen sind allerdings ehrgeizig. Sie geben sich nicht damit zufrieden, dass ich schon die Zahlen bis 99 kann, sondern möchten, dass ich schnell dazu übergehe, mein neues Wissen im realen Leben anzuwenden. Deshalb hatte ich während der letzten Unterrichtsstunde eine kleine Prüfung zu bewältigen. Ich musste die Bedienung in dem Café, in dem wir saßen, fragen, ob sie so freundlich wäre, uns drei zu fotografieren. So ging ich also etwas verlegen an den Tresen, wo mir drei neugierig dreinschauende Taiwaner gegenüberstanden, und fragte: "Kö i bang uo min xiao chiang ma?" – Zu meiner großen Überraschung verstanden sie, was ich wollte, und sogleich kam eine Frau zu uns an den Tisch und machte ein paar Fotos von uns. Wow – wenn das keine Motivation zum Weiterlernen ist!

Ich notiere mir fleißig VokabelnMit meinen Chinesischlehrerinnen Renée (links) und Gina (rechts)

Ans Lesen und Schreiben chinesischer Schriftzeichen habe ich mich übrigens noch nicht rangetraut. Das ist ja buchstäblich eine Wissenschaft für sich. Die Zeichen sich dermaßen komplex, dass ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, wie man sich so etwas merken soll. Die einzigen beiden Zeichen, die wir inzwischen gelernt haben, sind die, die im Bus anzeigen, ob man beim Einsteigen oder beim Aussteigen zahlt. Das ist hier nämlich ein ganz spezielles System. Dass Nora und ich uns inzwischen schon zu sehr souveränen Busfahrerinnen gemausert haben, hat sogar Gina und Renée in Erstaunen versetzt – und das macht uns natürlich besonders stolz.

 
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