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Eine kurze Geschichte Taiwans PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 23. November 2011 um 07:52 Uhr

Bisher habe ich nur wenig über die "offiziellen" Sehenswürdigkeiten von Taipeh geschrieben. Dazu gehören zum Beispiel die Sun Yat-sen Gedenkhalle sowie die Chiang Kai-shek Gedenkhalle, zwei beeindruckende Bauwerke, die in engem Bezug zur taiwanischen Geschichte stehen.

Wie so oft ist diese Geschichte jedoch einigermaßen verwickelt. Ich will trotzdem versuchen, sie kurz und verständlich zusammenzufassen.

Politisch betrachtet ist "Taiwan" lediglich der geografische Name der Insel, jedoch keine Bezeichnung für einen Staat. Das Staatsgebilde, dem die Insel angehört, ist die "Republik China". Sie wurde 1911 auf dem chinesischen Festland ausgerufen, und zwar von dem oben bereits erwähnten Dr. Sun Yat-sen. (Die Insel Taiwan stand zu diesem Zeitpunkt allerdings unter japanischer Herrschaft.)

Sun Yat-sen war Gründer der chinesischen Nationalpartei Kuomintang und als Revolutionär am Sturz des chinesischen Kaiserreichs, also der Qing-Dynastie, beteiligt. (Diese Geschichte wurde in dem Film "Der letzte Kaiser" verfilmt, den einige von euch vielleicht noch kennen.) Yat-sens Plan war es, China nach einer Übergangsphase in eine Demokratie zu überführen. Jedoch gelang es ihm nicht, mit seiner Partei die Herrschaft in ganz China zu übernehmen, bevor er 1925 starb. Heute wird Sun Yat-sen sowohl auf dem Festland als auch in Taiwan verehrt – als Begründer des modernen China und als Vater der Republik China.

Ein etwas jüngerer Weggefährte Sun Yat-sens war Chiang Kai-shek, der nach dem Tod von Sun Yat-sen die Führung in der Kuomintang übernahm. Ihm gelang es 1927, die Herrschaft im gesamten China zu übernehmen. Während Sun Yat-sen mit den Kommunisten zusammengearbeitet hatte, um ein vereinigtes Gesamtchina zu schaffen, lehnte Chiang Kai-shek eine Zusammenarbeit mit den Kommunisten ab und schreckte auch nicht vor blutigen Auseinandersetzungen zurück. 1927 schlug er einen Aufstand in der Arbeiterschaft von Shanghai nieder und ließ 145 Aufständische hinrichten. Anders als Sun Yat-sen bestand das Ideal von Chiang Kai-shek nicht in der Bildung einer Demokratie, sondern vielmehr in einer Militärdiktatur, dessen Oberhaupt natürlich er selbst war. Kein besonders sympatischer Zeitgenosse also.

Während des Chinesisch-Japanischen Krieges (1937-1945) bildete die Kuomintang unter Chiang Kai-shek aus pragmatischen Gründen eine Einheitsfront mit den Kommunisten unter Mao Tse-tung. Diese Allianz endete jedoch mit der Niederlage Japans 1945. 1949 übernahm Mao Tse-tung endgültig die Macht in China und Chiang Kai-shek floh mit seinen Anhängern ins taiwanische Exil. Taiwan war aufgrund der Niederlage der Japaner inzwischen an China rückübereignet worden.

In Taiwan proklamierte Chiang Kai-shek 1949 die provisorische Regierung der Republik China, zu deren Hauptstadt er Taipeh ernannte. Er errichtete ein autoritäres Regime, das er bis zu seinem Tod 1975 aufrechterhalten konnte. In dieser gesamten Zeit herrschte in der Republik China Kriegsrecht und Chiang Kai-shek betrieb eine Politik der Rückeroberung von Festlandchina. Mit anderen Worten: Festlandchina betrachtete Taiwan als Provinz der Volksrepublik China, während die Republik China unter Chiang Kai-shek ihrerseits Ansprüche auf Festlandchina erhob. Erst seit den 1980er Jahren findet eine Annährung statt, die vor allem wirtschaftliche Gründe hat.

1978 wurde Chiang Kai-sheks Sohn Chiang Ching-kuo Präsident der Republik China. Unter seiner Herrschaft fand in den 1980er Jahren die Demokratisierung des Landes statt. 1987 wurde das Kriegsrecht aufgehoben und die Pressefreiheit eingeführt. Nachdem ich all diese Zusammenhänge verstanden hatte, wurde mir erst klar, wie jung die Demokratie in Taiwan noch ist.

Von der diktatorischen Vergangenheit Taiwans ist heute allerdings im Alltag nichts mehr zu spüren. Allein die Chiang Kai-shek Gedenkhalle lässt den Kult erahnen, den Chiang Kai-shek um seine Person inszenierte. Errichtet wurde die Gedenkhalle jedoch erst nach Chiang Kai-sheks Tod auf Initiative seines Nachfolgers Yen Chia-kan. Sie steht auf einem 240.000 qm großen Platz hinter einem gigantisch großen Tor, das "Tor der großen Zentralität und perfekten Geradheit" heißt. Natürlich ist auch die Halle selbst gigantisch groß und darin thront ein überdimensionaler Chiang Kai-shek aus Bronze, der von zwei Soldaten bewacht wird. Stündlich findet eine Wachablösung statt, die eine beliebte Touristenattraktion darstellt. Während ihrer Dienststunde stehen die Soldaten absolut still und zwinkern minutenlang nicht mit den Augen. Wir haben versucht, die Zeit zu stoppen, aber dann irgendwann aufgegeben.

Damit der Beitrag hier nicht zu lang(weilig) wird, soll diese Zusammenfassung fürs Erste reichen. Ein kleiner Bericht zur heutigen politischen Lage folgt.

Das Tor der großen Zentralität und perfekten GeradheitDas Tor noch einmal aus einer anderen PerspektiveDie Chiang Kai-shek GedenkhalleBlick von den Stufen der Halle auf das Tor, links befindet sich die Nationale Theaterhalle, rechts die Nationale KonzerthalleChiang Kai-shek als Bronze-StatueWachposten am Eingang der Halle

 
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