| Das Bollwerk der Poesie |
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| Sonntag, 10. Juni 2007 um 22:19 Uhr |
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Ich sitze mit einer Freundin in einem Café in Berlin-Schöneberg. Unser Gespräch wird unterbrochen von einem jungen Mann, der sich mit den Worten vorstellt: "Ich bin das Bollwerk der Poesie."
Er möchte uns zwei Gedichte vortragen, zwei Gedichte für zwei Euro. Ob auch ein Gedicht für einen Euro möglich sei, frage ich. Eigentlich gebe es immer zwei Gedichte für zwei Euro, antwortet er. Na gut, also zwei Gedichte für zwei Euro. Er beginnt mit einem Gedicht über den Mond, in dem ein Reiter auf schwarzem Pferd durch nächtliche Gassen galoppiert. Das zweite Gedicht dürfen wir uns aussuchen: Ein Gedicht über eine Ballonfahrt, ein Gedicht über den Regen oder ein Gedicht über eine Rose. Wir entscheiden uns für die Ballonfahrt. Nachdem auch diese Verse vorgetragen sind, werden uns beide Gedichte handgeschrieben auf kleinen Pappkärtchen überreicht. Zum Abschied wolle er uns noch etwas mitteilen, sagt der Mann: Er beziehe kein Hartz IV, sondern verdiene mit dem Schreiben und Vortragen der Gedichte seinen Lebensunterhalt. Ich frage mich, wie viele - selbst preisgekrönte - Lyriker davon träumen. Das Bollwerk der Poesie hat es geschafft. |




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