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Botschaften zur Europa-Wahl 09 PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 05. Mai 2009 um 09:35 Uhr

Bekanntlich wird der deutsche Durchschnittsmensch ja täglich mit 2.000 bis 3.000 Werbebotschaften konfrontiert, und viele von ihnen nimmt er gar nicht bewusst wahr. In mein Bewusstsein dringen dieser Tage allerdings die fragwürdigen Botschaften verschiedener politischer Parteien zur Europa-Wahl 2009.

Seit nunmehr sicherlich zwei Wochen rege ich mich täglich auf dem Weg ins Büro über die unsägliche Kampagne der SPD auf, die mit ihren politischen "Nicht-Aussagen" die Gegend verschmutzt: "Heiße Luft würde DIE LINKE wählen", "Finanzhaie würden FDP wählen", "Dumpinglöhne würden CDU wählen". Beim Rätseln darüber, welche Agentur der SPD wohl diese Anti-Kampagne untergejubelt hat, kam ich zu dem Schluss: Das können nur zwei unglaublich Kreative gewesen sein, die sich, noch bevor sie ihr Diplom in der Tasche hatten, schon mal selbstständig gemacht haben und über gute Kontakte in die SPD-Spitze verfügen ...

Eine kurze Google-Recherche belehrte mich aber eines Besseren: Es ist die renommierte und preisgekrönte Agentur "Butter.", die für dieses Desaster verantwortlich zeichnet. Auf ihrer Internetseite ist unter der Überschrift "Alles andere als Heiße Luft" zu lesen: "Wer eine andere Politik will, muss auch anders dafür werben. [...] Denn wo andere vor allem auf generische Phrasen und lächelnde Kandidaten setzen, bietet die SPD lieber klare Ansagen und konkrete Politikangebote." - Ach so. Hatte ich doch glatt verpeilt, dass die Aussage "Heiße Luft würde die Linke wählen" eine klare Ansage und/oder ein konkretes Politikangebot ist. Selbst die grafisch zurückgenommene Unterzeile "Für ein Europa, in dem Verantwortung zählt" kann ich beim besten Willen nicht in diese Richtung interpretieren. "Volksverdummer würden SPD wählen", fällt mir dazu bloß noch ein.

Nicht viel besser präsentieren sich die Grünen (die einzigen Konkurrenten übrigens, die von der SPD verschont geblieben sind). Da ist zunächst das wahnsinnig ansprechende Bildmotiv, das Zahnräder und ein irgendwie gummiartig anmutendes gelbes Gebilde zeigt, das wohl an die Grünen-typische Sonnenblume erinnern soll (für mich sieht es aus wie eine besonders exotische neue Gen-Mais-Züchtung). Und dann der Text: "Mit grünen Ideen aus der Krise: Mit WUMS für ein neues Europa!" Abgesehen davon, dass wir hier eine ganz unschöne Doppelung im Satzaufbau zu beklagen haben, brauchte ich auch ziemlich lange, um zu begreifen, was das mit dem "WUMS" wohl auf sich hat ...? Ein kleines Sternchen am Wort und die am Fuß des Plakats stehende Erklärung bringen Licht ins Dunkel der Wahlbotschaft: WUMS steht für "Wirtschaft und Umwelt, menschlich und sozial". Na gut, wenn das Ziel der Grünen vielleicht bei 2 % der Stimmen liegt, könnte ich mir vorstellen, dass sie gute Chancen haben, denn 2 von 100 Leuten werden sich wohl die Mühe machen, der Frage nach dem WUMS mal so richtig auf den Grund zu gehen.

Zunichte gemacht wird dieser potenzielle Erfolg allerdings durch ein anderes Plakat der Grünen, das seit heute die Plakatelandschaft auf meinem Arbeitsweg bereichert. Geworben wird darauf für den Grünen Europa-Abgeordneten Michael Cramer mit den Worten: "Unser Zugfährt für Europa" - Wie bitte??? Jetzt mal ehrlich: Da kann Herr Cramer noch so oft und so lange verkehrspolitischer Sprecher der Grünen sein. Mit diesem unglaublich "witzigen" Wortspiel wird er meine Stimme leider nicht mehr bekommen.

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