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Rote Schleifen und sprachliche Feinheiten PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 26. Mai 2009 um 16:01 Uhr

Ich kann mir vorstellen, dass Journalisten und Zeitungsredakteure oft unter großem Zeitdruck arbeiten. Dabei passieren auch mal Fehler. Ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen und sprachlicher Akkuratesse dürfen die Zeitungsleser wohl trotzdem erwarten, zumal die Texte ja (hoffentlich!) von irgendwem noch kontrolliert werden, bevor die Zeitung in Druck geht.

Heute war in der Berliner Zeitung zu einem Interview mit einem HIV-Infizierten folgendes Bild zu sehen: Das weiß geschminkte Gesicht eines jungen Mannes, auf dessen Wange eine kleine rote AIDS-Schleife klebt. (Das Foto ist auf der Internetseite der Berliner Zeitung leider nicht abgebildet.) Die Bildunterschrift dazu lautet: "Die rote Schleife warnt vor Aids - und vor der Ausgrenzung Betroffener."

Wie bitter muss es für einen AIDS-Kranken sein, das zu lesen, impliziert die Aussage doch, dass jeder, der eine AIDS-Schleife trägt, damit sagen will: "Vorsicht, komm mir nicht zu nahe, ich habe nämlich AIDS!" Dabei ist doch eigentlich das Gegenteil der Fall: Die rote Schleife soll ein Symbol der Solidarität mit AIDS-Kranken und HIV-Positiven darstellen, sie will also sagen: Wir (AIDS-Kranke und Nicht-AIDS-Kranke) gehören zusammen und stehen einander bei. Akzeptabel wäre als Bildunterschrift also allenfalls "Die rote Schleife warnt vor den Gefahren von AIDS ..."

Nun mag man einwenden, dass dort ja auch steht: "... und vor der Ausgrenzung Betroffener." Das meint doch im Grunde Solidarität mit AIDS-Kranken. Ja, das stimmt, so kann man den Sachverhalt auch ausdrücken. Aber genau darauf wird das Ganze dann auch reduziert: auf einen trockenen Sachverhalt. "Die rote Schleife warnt vor der Ausgrenzung Betroffener." Das klingt fast schon wie eine Drohung. Jedenfalls nicht nach einer Einladung zur Solidarität, zum Dialog, zum Mitgefühl.

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