GABAL Verlag, 5. Auflage 2009, 6,90 EUR
Dieses Buch vermittelt, wie man bessere Texte schreibt, wenn man ein paar einfache Regeln befolgt. Thilo Baum beschreibt darin u. a., wie man Texte plant, er gibt stilistische Tipps und erklärt die verschiedenen Funktionen der Satzzeichen. Dass ihm all dies auf gerade mal 80 kleinformatigen Seiten gelingt, spricht für seinen Ansatz. Das Buch ist fast durchgängig gut geschrieben und eignet sich für Menschen, die beruflich häufig E-Mails, Konzepte, Berichte oder andere Gebrauchstexte verfassen müssen.
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Auf der Suche nach Anregungen für die Entwicklung eines Text-Seminars bin ich auf dieses Buch gestoßen. Mich beschäftigte vor allem die Frage: Wie vermittelt man anderen Menschen das Handwerk des guten Schreibens? Wichtig ist mir dabei, dass es nicht um den letzten Feinschliff für Profis geht. Vielmehr sind klare Regeln gefragt, die auch für diejenigen leicht anzuwenden sind, die sich nicht professionell mit dem Schreiben beschäftigen. "30 Minuten für gutes Schreiben" stellt dafür eine gute Grundlage dar. Es ist sinnvoll gegliedert, gut geschrieben und bietet viele "Vorher-Nachher-Beispiele".
Kleines Manko des Buches: Die meisten Beispiele stammen aus journalistischen Texten oder sind in journalistischem Stil formuliert. Das ist verständlich, denn der Autor war lange im Journalismus tätig. Ich frage mich jedoch, wen er als Zielgruppe seines Textes annimmt. Das Buch richtet sich sicher nicht an Journalisten oder andere professionelle Schreiber, sondern an Menschen, für die das Schreiben eher eine Begleiterscheinung ihres Berufes ist. Ein paar Beispiele aus dem Unternehmensalltag würden dem Buch daher noch mehr Praxisbezug verleihen (typische E-Mail-Korrespondenz, Formulierungen aus Business-Konzepten oder Texte von den Internetseiten kleiner und mittelständischer Unternehmen).
Auch der mitunter etwas aggressive Tonfall des Buches hat mich gestört. So schreibt Baum zum Beispiel: "'So' ist kein Verb. Es ist sinnentleerter Wortmüll, an dem nichts schick ist." Die Auffassung, dass das Wörtchen "so" in den Wortmüll gehört, teile ich jedenfalls nicht, wenngleich seine Verwendung anstelle eines Verbs sicher nicht den Regeln des guten Stils entspricht.
An anderer Stelle erbost sich Baum gar über die "pseudo-schicke Unsitte" einiger Medien, "zusammengehörende Gedanken zu zerhacken". Pseudo-schicke Unsitte?! Hier verliert der Autor in seiner Mission für bessere Texte das eigene Anliegen aus dem Blick. Unter "Sitten" versteht man Normen oder Werte, die per se weder gut noch schlecht sind. Sie können durch die Vorsilbe "Un" nicht ins Gegenteil verkehrt werden (genauso wie es beispielsweise bei dem Wort "Unkosten" der Fall ist, das ja auch nicht das Gegenteil von Kosten meint). Das Wort "Unsitte" gehört daher in die Liste der "Floskeln, Fachbegriffe, Wort-Moster" die Baum an das Ende des Buches gestellt hat. Und auch "pseudo-schick" erfüllt nicht den Anspruch, den Baum in seinem Buch an eine klare und verständliche Sprache stellt.
Diese Kritikpunkte betreffen jedoch lediglich Details. Insgesamt ist "30 Minuten für gutes Schreiben" ein gutes Buch für alle, die lernen möchten, sich schriftlich besser auszudrücken.

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