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Gloria Beck: Verbotene Rhetorik. Die Kunst der skrupellosen Manipulation. Eichborn Verlag 2005 (Taschenbuchausgabe: Piper Verlag 2007)
Gloria Beck stellt in ihrem Buch "Verbotene Rhetorik" 30 verschiedene Techniken der sprachlichen Manipulation vor. Ihre Zielgruppe sind zum einen Menschen, die keine Hemmungen haben, andere skrupellos unter Druck zu setzen, von sich abhängig zu machen, sie dazu zu bringen, gegen ihre eigenen Interessen zu handeln, oder sich selbst in sonstiger Weise irgendwelche Vorteile zu verschaffen. Zum anderen, so die Autorin, hilft das Buch aber auch dabei, die manipulative Rhethorik anderer zu erkennen und sich vor ihr zu schützen. Mich hat es vor allem dazu gebracht, meine eigenen rhetorischen Muster zu analysieren und zu hinterfragen. Wer an einem dieser drei Aspekte interessiert ist, für den ist "Verbotene Rhetorik" von Gloria Beck eine lohnenswerte Lektüre.

Ich habe dieses Buch für die Read now!-Premiere ausgewählt, weil es genau wie meine tägliche Arbeit unmittelbar mit Sprache zu tun hat. "Es ist dieser Touch des Geheimnisvollen, der den Begriff 'Rhetorik' noch immer umgibt", schreibt die Autorin in ihrem Vorwort - und in der Tat: Das war genau der Grund, warum ich das Buch im Geschäft neugierig zur Hand genommen habe. Gloria Beck kennt offenbar ihre "Pappenheimer", und das ist doch eine gute Ausgangsbasis in der Beziehung zwischen Schreiberin und Leserin. Die Autorin schreibt, in ihren Kommunikationsseminaren hätten Teilnehmer häufig nach rhetorischen Techniken gefragt, die geeignet sind, "andere zu beeinflussen, ohne dass sie es merken". Und mit diesem Buch gibt sie solchen Menschen also das, was sie wirklich interessiert.
Das Buch ist alphabetisch nach den vorgestellten Manipulationstechniken gegliedert, so dass man es entweder vollständig durchlesen oder als Handbuch verwenden kann und nur die Teile liest, die für das persönliche Anliegen zielführend erscheinen. Natürlich ist der Autorin bewusst, dass es ethisch durchaus bedenklich ist, die von ihr vorgestellten Techniken anzuwenden. Vermutlich auch um ihre eigene Seriosität und Reputation zu wahren, hat sie daher ans Ende jeder Beschreibung die "Skala der ethischen Bedenklichkeit" gestellt, auf der sie der "Verwerflichkeit" der Technik einen Wert zwischen eins und zehn zuweist. So gibt es also harmlosere Tricks wie etwa die "Impression Management-Technik" (1 Punkt), die Mitleidstechnik (1 Punkt) oder die "Immunisierungstechnik" (2 Punkte) und ganz verwegene Praktiken, zu denen beispielsweise die "Hypnosetechnik" (absoluter Spitzenreiter mit 10 Punkten), die "Feindbildtechnik (7 Punkte) und die "Vernichtungstechnik" (7 Punkte) gehören. Nach Einschätzung der Autorin ethisch unbedenklich und damit sozusagen Lichtblicke im manipulativen Universum sind die "Einschmeicheltechnik", die "Kontrasttechnik" und die "Predigertechnik", die keine Punkte bekommen haben.
Zu jeder Technik beschreibt Beck, welche Ziele man damit erreichen (z. B. "jemanden von sich abhängig machen" oder "jemanden dazu bringen, gegen seine eigenen Interessen zu handeln") und wie man sie anwenden kann. Veranschaulicht wird dies mit zahlreichen Beispielen, die meist aus dem Berufsleben stammen. Beeindruckt hat mich bei der Lektüre u. a. die Trennschärfe, mit der es der Autorin gelingt, die insgesamt 30 Techniken darzustellen: Überschneidungen gibt es lediglich punktuell. Deutlich wird übrigens auch, dass viel üben muss, wer ein Meister der verbotenen Rhetorik werden will - und dass eben eine gute Portion Skrupellosigkeit dazu gehört, um viele der Techniken im Alltag tatsächlich anzuwenden. Der Verfasserin merkt man an der einen oder anderen Stelle an, dass es ihr offenbar große Freude bereitet hat, dieser "schwarzen" Seite ihres Faches mal so richtig viel Raum zu geben. So schreibt sie beispielsweise im Kapitel über die "Vernichtungstechnik": "Scheuen Sie sich nicht, derartige Mittel einzusetzen, und verabschieden Sie die moralische Auffassung, dass Menschenfreundlichkeit sie weiterbringt." - Da sieht man förmlich das diabolische Blitzen in den Augen Gloria Becks.
Gefragt habe ich mich während des Lesens allerdings, warum ich das Buch überhaupt lese, denn gewiss verfolge ich nicht das Ziel, eine große "verbotene Rhetorikerin" zu werden. Ich würde es vielleicht nicht "Menschenfreundlichkeit" nennen, aber ich glaube wirklich, dass respekt- und vertrauensvolle Kommunikation mich weiterbringt. Bleibt also der Wunsch, rhetorische Techniken und Taktiken bei anderen zu entlarven und sich von ihnen nicht ahnungslos manipulieren zu lassen. - Ob das allerdings durch die Lektüre des Buches gelingt, konnte ich bisher noch nicht verifizieren.
Interessant fand ich jedoch einen anderen Nebeneffekt, den ich beim Lesen an mir feststellen musste: Ich fühlte mich an manchen Stellen regelrecht ertappt! Mir wurde bewusst, dass ich selbst offenbar hin und wieder unbewusst manipulative Techniken (oder zumindest einzelne Elemente davon) anwende. So beispielsweise die "Impression Management-Technik", bei der man bewusst Positives über sich kommuniziert und Negatives absichtlich verschweigt. Auch neige ich dazu, in Gesprächen wissend zu nicken und bestätigend "Mhm" zu sagen, obwohl ich nicht den blassesten Schimmer habe, wovon der/die andere spricht, anstatt einfach zuzugeben, dass ich von dem Thema keine Ahnung habe. Wie viele Punkte ich diesen sprachlichen "Lastern" nun auf der Skala der ethischen Bedenklichkeit geben sollte? Ich weiß es nicht. In Zukunft werde ich mich aber beim Sprechen etwas genauer beobachten. Für diese Erkenntnis hat sich die Lektüre jedenfalls gelohnt.
Allen, die ebenfalls an einer Selbstanalyse ihres Kommunikationsverhaltens interessiert sind - und natürlich allen, die wirklich Meister/innen der verbotenen Rhetorik werden möchten, ist das Buch von Gloria Beck absolut zu empfehlen.
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